Die Liebe allein versteht das Geheimnis,
andere zu beschenken und
dabei selbst reich zu werden. Clemens Brentano

Vom jungen Gast zum jugendlichen Helfer

KinderVesperkirche endet nach 14 Tagen. Publikum spendete beim Benefizkonzert 1.500 Euro

(18.12.2017) Für die Kinder geht es hier um Spiel, Basteln und Spaß. Für die Evangelische Kirche Mannheim ist es ein Appell auch an die Politik, benachteiligten Kindern die Teilhabe zu erleichtern und für Bildungsgerechtigkeit zu sorgen.

Vom 4. bis 17. Dezember kamen 1.100 Schülerinnen und Schüler aus Mannheimer Grund- und Förderschulen in die KinderVesperkirche, die zum 10. Mal in der evangelischen Jugendkirche stattfand. „Die Kinder erleben die Stunden hier als tollen Ausflug“, berichtet Projektleiterin und Bezirksjugendreferentin Ruth Würfel. „Sie freuen sich auf das gemeinsame Essen an den langen Tischen, aber noch mehr auf das Spielen, für das sie hier so viel Platz haben. Und ganz wichtig ist ihnen, mit eigenen Händen Weihnachtsgeschenke für ihre Familien basteln zu können.“

Viele Helfer, viele Unterstützer

Täglich waren 45 Helfer (Erwachsene und Jugendliche) im Einsatz, darunter auch Schülerinnen und Schüler der Helene-Lange-Schule, Humboldt-Werkrealschule, Werner-von-Siemens-Schule, Wilhelm-Busch-Förderschule, Johannes-Gutenbergschule sowie Auszubildende der Mannheimer Firma Volz Elektrotechnik. Zu den Helfern zählte auch Gerlinde Kretschmann, die Gattin des Ministerpräsidenten: Die Schirmherrin der Vesperkirchen in Baden-Württemberg kam für einen Tag, um die KinderVesperkirche kennen zu lernen und mitzuhelfen.

Spielmobil: „Labor der Sinne“ kam gut an. Junge Forscher helfen sich gegenseitig

Um riechen, fühlen, hören, sehen und schmecken ging es bei dem Parcour, den sich das Spielmobil-Team in diesem Jahr für die KinderVesperkirche ausgedacht hatte. Mit Laufzetteln und in weißen Forscherkitteln gingen die Kinder in Gruppen auf Entdeckungsreise. Beim Riechmemory beispielsweise fiel den meisten das Erkennen von Zimt oder Basilikum leicht. „Doch uns ist aufgefallen, dass manche Kinder große Schwierigkeiten hatten, Geschmäcker zu unterscheiden“, berichtet Michael Nied vom Spielmobil. „Einige hielten eine Birne für Kohlrabi“. Die wissbegierigen Forscher unterstützten sich gegenseitig vielfach, so auch beim Lesen oder Schreiben an den Stationen. Wie viel Spaß der Parcour-Lauf machte und wie viel Neugierde und Wiederholungsfreude er weckte, zeigte die stets lange Schlange vor dem Eingang.

„Kennst Du mich noch?“

Die KinderVesperkirche ist auch ein sozialer Lernort, an dem junge Menschen füreinander da sind, als Helfende und als Gäste. Sie ist auch ein Ort der Kontinuität und wird so zum „Wegbegleiter für die Kinder“, sagt Ruth Würfel. Denn manche Kinder besuchen während der Schulzeit den Mittwochstisch in der Jugendkirche, bei dem es für angemeldete Kinder Essen und ein Kreativangebot gibt, genau wie in der KinderVesperkirche. Manche, berichtet Würfel, kommen als Gäste – und Jahre später als Helfende. So auch ein Jugendlicher, der jetzt mithalf und sie ansprach: „Kennst Du mich noch?“. Er hatte als Achtjähriger gemeinsam mit seiner Klasse die KinderVesperkirche kennengelernt und kam dann als Grundschüler jede Woche zum Mittwochstisch. In diesem Jahr nun hilft er mit seiner Klasse mit und bedient die Grundschüler am Tisch mit leckerem Essen.

Gospel-Chor ersingt 1.500 Euro für die KinderVesperkirche

Am Vorabend des letzten KinderVesperkirchentags sorgte der renommierte „Celebration Gospel Choir“ für vorweihnachtliche Stimmung: Die mehr als 200 Besucher des Benefizkonzerts waren am Samstag, 16. Dezember, eingeladen, bei Klassikern wie „Oh du fröhliche“ und „Stille Nacht, heilige Nacht“ mitzusingen. Der musikalische Funke sprang über und bescherte der KinderVesperkirche einen Erlös von 1.500 Euro.

Armut ist nicht nur eine Frage des Geldes

Ob die Armut in der Stadt größer geworden sei, so Projektleiterin und Bezirksjugendreferentin Ruth Würfel, könne sie nicht einschätzen. Denn in die KinderVesperkirche kommen Kinder aus finanziell gut aufgestellten Familien ebenso wie Kinder aus beengten Verhältnissen. Sie alle besuchen die KinderVesperkirche stets im Klassenverband, begleitet von Lehrpersonal, denn niemand soll stigmatisiert werden. Die Statistik, wonach jedes fünfte Kind in Mannheim in Armut lebe oder von ihr betroffen sei, findet ihren deutlichen Niederschlag auch in den Mannheimer Schulen. Doch Armut ist vielgesichtig. „Armut ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern es geht auch um soziale Aspekte und die Möglichkeit der Teilhabe“, erläutert Würfel. In der diesjährigen KinderVesperkirche haben die 1.100 Gäste erlebt, wie Teilhabe, ein respektvolles Miteinander und das Erleben von Gemeinschaft konkret gestaltet werden können. Die 11. Mannheimer KinderVesperkirche beginnt im Advent 2018. Foto: Andreas Henn. (dv)

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Ruth Würfel

Ruth Würfel

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